Montag, 12. August 2013

Hallo Zusammen,

ich habe mich mal wieder dazu durchgerungen, einen Eintrag zu schreiben.

Inzwischen geh ich schon in die Schule, jetzt seit ca 1,5 Wochen.

links die Schule von außen


Ein kleiner Garten in den man geht, wenns im Klassenraum zu heiß wird

Turnhalle


der Innenhof, an dem alle Klassen anliegen


Schule ist hier komplett anders als in Deutschland. Morgens geht der Tag damit los, dass sich alle hinstellen und das Ave Maria und Vater Unser beten. Die ganze Schule gleichzeitig, alle Schüler in den eigenen Klassen. Man darf keine Sekunde zu spät kommen, da sonst die Türen geschlossen werden. Wenn öfters auffällt, dass man zu spät kommt, bekommt man ein Ticket gesendet. Das bedeutet: am Anfang des Schuljahres hat man 100 Punkte. Pro Ticket bekommt man 7 Punkte abgezogen. Sobald man unter 70 Punkte hat, besteht die Gefahr, dass man nicht in die nächste Klasse versetzt wird.

Außerdem wird jeden Montagmorgen die Nationalhymne von Costa Rica und die Hymne der Schule gesungen.

Da meine Schule von Nonnen geleitet wird, ist sie sehr streng katholisch. Fast in jeder Klasse hängt eine Statur von Maria.

Mathe Unterricht, über der Tafel Maria

Die Klassen sind hier auch komplett anders. Es gibt nicht, wie in Deutschland, normale Tische mit Stühlen. Jeder hat seinen Stuhl, an dem ein kleiner Tisch dran montiert ist.


Der Umgang zwischen den Lehrern und Schülern hier ist auch viel besser als in Deutschland. Wenn morgens die Lehrerin eine Schülerin von sich umarmt und sie zusammen Witze machen, hat man schon fast den Eindruck, sie wären jahrelang beste Freunde.

Der Unterricht insgesamt ist nicht so anspruchsvoll wie in Deutschland, was zu erwarten war. In Englisch bin ich besser als unsere Lehrerinnen und in Französisch bin ich ungefähr gleich gut. Mathe ist hier auch deutlich einfacher, und es macht echt Spaß, in Mathe mal zur Abwechslung was zu verstehen. Sonst haben wir hier noch das Fach Industrie, wo man was aus Holz baut, Erdkunde, Geschichte und Politik sind zu einem Fach zusammengefasst, Sport, Musik, Spanisch, Technik, da lernt man wie man richtig mit einem PC umgeht, Physik, Religion etc. Genau wie in Deutschland. Allerdings gibt es hier noch eine Stunde, in der die Schul-Phsychologin in die Klasse kommt und Sachen mit einem bespricht.

Außerdem geht hier Schule schon um 7 Uhr los, ein Traum. Da es in Costa Rica in den wenigsten Haushalten warmes Wasser gibt, ist die kalte Dusche am morgen immer sehr... erfrischend.
Jeden morgen habe ich 4 Stunden am Stück ohne Pause Unterricht. Dann sind 20min Pause, 2 Stunden Schule, 30min Pause, 3 Stunden Schule. Um 2 ist dann die Schule aus.

Ich werde jeden morgen von einer Frau mit ihren drei Töchtern, alle 3 auf meiner Schule, eine ca 3 Jahre jünger, eine so alt wie ich, und eine ca 2 Jahre älter, mitgenommen. Außerdem nehmen wir immer noch 2 andere Mädchen mit.

Das ist auch besonders und anders als in Deutschland an meiner Schule. Hier fängt es bei der 1. Klasse an und geht bis zur letzten, und das alles an einer Schule versammelt.

Und natürlich, wie sich das gehört, habe ich eine Schuluniform.



Die besteht aus einem Unterhemd, einem weißen Hemd drüber, einer schwarzen Anzugshose, einem schwarzen Gürtel und schwarzen Lederschuhen. Ich hatte am ersten Tag nicht komplett schwarze Socken an, worauf ich direkt hingewiesen wurde. Es ist außerdem Jungen nicht erlaubt, ein Armband anzuhaben und ich musste mir die Haare kürzer schneiden lassen!
Einmal im Monat kommt eine Frau in die Klassen und kontrolliert die Schuluniformen. Wenn irgendetwas nicht stimmt, oder die Haare zu lang sind, bekommt man ein Ticket gesendet.

Was auch noch sehr seltsam ist, dass man sein Handy gar nicht mit in die Schule nehmen darf. Auch wenn es aus ist und im Schulranzen liegt, was in Deutschland ja völlig legitim ist, bekommt man es abgezogen. Und nicht für einen Tag oder so, neeee für einen Monat!

Aber ich muss sagen, dass ich hier unglaublich gerne zur Schule gehe. Ich habe einfach jeden Tag aufs neue so viel Spaß mit meinen costaricanischen Freunden, dass ich mich Freitags schon ein bisschen auf Montag freue. Dieses Gefühl hatte ich nie zuvor. Schon am zweiten Tag, hatte ich das Gefühl, ich wär schon immer in der Klasse gewesen.





Zur Auflockerung nach so viel Text noch mal einfach ein paar Impressionen von meinem Haus und dem Garten:

mein Zimmer

Der Platz vor dem Haus, hinten das Haus wo ein Sohn mit Frau und Kind drin wohnt





einer der vielen Mangobäume

irgendeine Echse



auf der einen Seite ist das Grundstück mit einem Fluss begrenzt

für Feste



hier lässts sich schon aushalten


Meine Familie war 4 Tage in Nicaragua, was viel ärmer ist als Costa Rica, und in den 4 Tagen war ich bei der Schwester von meiner Mama. Die hat auch eine deutsche Austauschschülerin aus der Schweiz, mit der ich mich sehr gut versteh. Auch eine unheimlich herzliche Frau.

Außerdem wurde ich direkt mal auf eine Party eingeladen, auf die fast 500 Leute gekommen sind. Die Musik hier ist ganz anders als in Deutschland und es wird komplett anders getanzt. Das werde ich hier jetzt aber nicht näher ausführen, wär es genauer wissen kann mich aber gerne fragen.

Ja, was war sonst noch... Ich habe bei einem Projekt für die Schule mitgearbeitet. War ein sehr lustiger Nachmittag.




Am Abend war ich dann noch mit einem Freund und einer Freundin in Sarchi. Wir mussten vor 3 bekifften Typen fliehen, jaja wildes Costa Rica.


Sonst war ich noch mit meiner Mama und einer Freundin von ihr bei einer Künstlerin. Da durften wir sogar selbst Hand anlegen.



Außerdem war hier abends noch ein kleines Fiesta mit Freunden von meiner Familie. Ein lustiger und geselliger Abend. Generell hat die Familie für die Leute hier einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland, was mir sehr gut gefällt. Das wichtigste und das um was sich einfach alles dreht, ist die Familie.

die zweite Party-Hütte im Garten

Meine Mama, die Tochter und der Freund 
Hinten in der Mitte die Schwester von meiner Austausch-Mama und die Austauschschülerin links daneben


Joa, sonst noch die versprochenen Fotos vom Fußballspiel. Ich hatte übrigens noch ein Spiel, in dem ich das entscheidende Tor dann gemacht hab! 






Noch ein Foto von Grecia:



Und eins, was ich aus dem Auto gemacht hab. In Costa Rica gibt es generell sehr viele Straßenhunde und es wird mit Tieren oftmals noch anders umgegangen als in Deutschland.



Und Blattschneideameisen, ich liebe diese Tiere :D :





Nächsten Samstag fahr ich dann noch zum Arenal, danach das Wochenende an den Pazifik und danach das Wochenende an die Karibik. Und ich muss keine Examen in der Schule mitschreiben! Sind das nicht rosige Aussichten?

Mit denen verabschiede ich mich auch für heute,

Hasta luego mis amigos.

Achja, und das ist ein typisches Frühstück hier: 












Sonntag, 28. Juli 2013

La Pura Vida


Hallo Zusammen,

jetzt bin ich also in Costa Rica angekommen. Der Flug von Frankfurt nach Costa Rica, mit der Zwischenlandung in der Domnikanischen Republik, hat 13 Stunden gedauert und ich konnte kaum schlafen.

Dramatischer Abschied


Deutschland Adios


Gegen 5 Uhr morgens Ortszeit bin ich dann aber endlich im Flughafen von San Jose angekommen, der ein bisschen außerhalb der Hauptstadt liegt. Draußen wartete dann Maria Gamboa Gamboa, die Organisatorin meines Aufenthaltes, und ich wurde mit ca. 20 anderen Jugendlichen aus Norwegen, Dänemark, Schweiz und Deutschland in ein Camp außerhalb von San Jose gebracht.

Vorne steht Maria Gamboa

Die Busfahrt war schon einmal sehr abenteuerlich. Das Gepäck von allen war nur lose mit ein paar Seilen auf dem Dach befestigt, und es war ein Wunder, dass nichts runtergefallen ist bei den vielen Schlaglöchern auf den "Straßen".
Was mir auch direkt aufgefallen ist, dass alle Häuser um San Jose, die wir gesehen haben, extrem gesichert sind. Es gab kein Haus, bei dem keine Gitter vor den Fenstern waren und noch zusätzlich ein hoher Zaun um das Haus herum ist. Fragt sich nur warum...



Das hier war unser Camp, direkt am Urwald: 




Und hier ein paar Bilder aus dem Urwald, der wahrscheinlich nicht mal einer war, aber von dem ich trotzdem ziemlich beeindruckt war:

Bananen in rot?!







Eine kleine Dusche



Was einem direkt auffällt, ist, wie herzlich und immer gut gelaunt die Ticos (Costa Ricaner) sind. Man wurde unheimlich freundlich begrüßt und sie lachen einen immer an. 

Begrüßung durch ein kleines costaricanisches Mädchen im Camp


Das Essen hier unterscheidet sich auch grundsätzlich von dem Essen in Europa.
Zum Frühstück gibt es entweder nur Obst oder warmes Essen. Wenn du hier Obst isst, denkst du, du isst eine ganz andere Frucht als in Europa. Der Geschmack ist einfach so anders und so viel besser. Warmes Essen zum Essen bedeutet Reis mit schwarzen kleinen Bohnen drin und irgendetwas dazu. Generell wird hier sehr sehr viel Reis gegessen, fast zu jeder Mahlzeit.

Da an diesem Tag eine Austauschschülerin Geburtstag hatte, haben wir direkt eine costaricanische Tradition kennen gelernt. Dabei wird in der Mitte des Raumes ein Behälter mit Süßigkeiten drinnen aufgehängt. Das Geburtstagskind bekommt einen Stab in die Hand und die Augen verbunden und muss mit dem Stab den Behälter treffen. Wenn man trifft, fallen viele Süßigkeiten raus. Es ist also sozusagen das costaricanische Topfschlagen, pinata genannt.




Am Donnerstagabend kamen dann noch einige Ticos in das Camp und haben uns den typischen Tanz der Region aufgeführt. Später wurden wir dann animiert mitzutanzen, was mehr oder weniger gut geklappt hat. Bei mir eher weniger.




Am Freitag sind wir dann nach San Pedro gefahren und sind mit der ganzen Gruppe in eine Mall gegangen. Hier hatten wir ca. 2 Stunden Freizeit bis unsere Familien uns abgeholt haben. 

Hier hat man direkt mal die viel entspanntere Mentalität der Ticos zu spüren bekommen. Während in Deutschland man alles gegeben hätte, um beim ersten Treffen pünktlich zu sein, wurde ich und einige andere Austauschschüler mehr als eine Stunde zu spät abgeholt.
Die Austauschschülerinnen, die einen Gastbruder hatten, wurden von diesem außerdem immer mit einem Blumenstrauß begrüßt.

Die Schwester von meiner Austausch-Mama hat auch eine Austauschschülerin aus der Schweiz und mit denen sind wir, bevor wir nach Haus nach Sarchi gefahren sind, einen Kaffee trinken gegangen. Der Kaffee schmeckt mir hier übrigens auch viel besser als in Deutschland.

Nach ca. 1h Fahrt sind wir dann zu Hause angekommen. Das Grundstück liegt ein bisschen oberhalb von Sarchi und ist riesig. Im Garten stehen alle Obstbäume über Mango, Orange, Mandarine usw. Um diesen riesigen Garten pflegen zu können, hat meine Familie einen eigenen Gärtner eingestellt. Außerdem hat die Familie einen wunderschönen Pool und das Haus ist sehr groß. Also sehr wohlhabend.




Ich wurde unheimlich freundlich und herzlich von der Familie begrüßt. Vor allem die Mama bemüht sich unheimlich um mich und ist eine extrem nette und herzliche Frau.
Außerdem hat die Familie noch 3 Hunde, einen Dobermann, der waschechte Wachhund der das Haus mit seinem Leben verteidigen würde, einen Labrador-Welpen und einen richtig süßen kleinen Mischling.
In Freiflug Barrieren haben sie außerdem noch Hühner, eine Fasanenart, Wellensittiche und noch eine spezielle Vogelart von der ich nicht mehr weiß, wie sie heißt.

Am Samstag waren wir bei einem Fußballspiel von einer Mannschaft von Sarchi. Es war eine sehr lustige Truppe, dort hat der 20-jährige Sprössling mit dem 70-jährigen Rentner zusammen gespielt. Ebenso mein Gastpapa und der Freund von meiner Gastschwester Maria.
Freundlich wie die Costa-Ricaner einfach sind, haben sie mich eingeladen, in der zweiten Halbzeit auch zu spielen. So wurde ich also eingewechselt und habe 45min gespielt. Das Spiel, gegen Grecia, ist 3:3 ausgegangen und ich hatte das zwischenzeitliche 4:2 auf dem Schlappen und habe aber leider nur den Pfosten getroffen. Die Fotos von mir im Sarchi Trikot habe ich leider noch nicht, aber sie werden sicherlich noch folgen.

Ich habe höchsten Respekt vor denen, die 90min durchgespielt haben. Bei diesen Temperaturen und dieser Luftfeuchtigkeit Fußball zuspielen, ist echt nichts für Leute mit einem schwachen Kreislauf.

Rechts meine Truppe

Das Clubhaus meines neuen Klubs

Auch hier wurde ich unheimlich freundlich von den Männern empfangen und dazu eingeladen, ab jetzt samstags öfters zu kommen.

Am Abend bin ich dann noch mit meinen Gasteltern nach Sarchi zu einem kleinen Fest auf dem Marktplatz gegangen. Hier hat man sich getroffen und sich unterhalten, getanzt, gesungen und das pura vida genossen.




Heute, am Sonntag, haben wir noch nicht viel unternommen, was mir auch mal gut tat. Mittags waren wir in einem Restaurant essen. Das Essen ist unwahrscheinlich günstig, ich habe eine große Portion Tapas Carbonara bestellt, was knapp mehr als 3 Euro gekostet hat.

Für heute habe ich aber genug berichtet, hasta luego. Tim